Abrechnung der GOÄ-Ziffer 60: Hausarzt vs. Gynäkologe

Praxistipps für Arztpraxen und Kliniken, GOÄ Abrechnung 17.07.2017

So können Sie als Gynäkologe die GOÄ-Ziffer 60 abrechnen

Praxisfall: Ein Gynäkologe bespricht besondere Befunde und das weitere Vorgehen seiner Patientinnen mit dem Hausarzt. Dieses telefonische Konsil, das manchmal 10–15 Minuten dauert, rechnet er mit der GOÄ-Ziffer 60 ab und gibt auch den Namen des Hausarztes an. Bisher hatte er nie Schwierigkeiten. Letzte Wochen legten ihm aber gleich zwei Patienten von zwei verschiedenen Versicherungen eine Erstattungsablehnung dieser Ziffer vor. Die Begründung in beiden Fällen: „Die GOÄ-Ziffer 60 sei schon vom Hausarzt abgerechnet worden und dürfe deshalb von mir nicht mehr abgerechnet werden.“ Ihr Kollege fragt sich nun dementsprechend, ob die Versicherungen recht haben und wie er in so einer Situation vorgehen kann.

Irrtum der Versicherungen

Nein, die Versicherungen haben nicht recht. Sie haben bisher immer korrekt abgerechnet. Das bedeutet unmissverständlich, dass jeder der beteiligten Ärzte abrechnen darf. In der Leistungslegende steht „für jeden Arzt“. Die einzige Abrechnungseinschränkung, die in der Anmerkung zu finden ist, ist, dass es sich um einen liquidationsberechtigten Arzt handeln muss.

Das heißt: Bei dem Gynäkologen und dem Hausarzt aus dem Praxisbeispiel ist das überhaupt kein Problem – sie dürfen beide die Ziffer 60 abrechnen. Führen Sie solch ein Gespräch mit einem Stationsarzt, der nicht liquidationsberechtigt ist, dürfen Sie die GOÄ-Ziffer abrechnen, der Stationsarzt aber nicht. 

Das ist zu tun

Unterstützen Sie Ihre Patienten, indem Sie sie in Ihrem Widerspruchsschreiben direkt auf die Leistungslegende der Ziffer 60 verweisen. Diese ist eindeutig! Dort heißt es: „Konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehr liquidati-onsberechtigten Ärzten, für jeden Arzt!“ Der Zusatz „für jeden Arzt“ erlaubt Ihnen die Abrechnung. Legen Sie daher unbedingt Widerspruch ein bei den beiden Versicherungen. Dann sollte die Erstattung kein Problem sein. Sollten sich die Ablehnungen hierzu demnächst häufen, nehmen Sie den Verweis auf die Leistungslegende direkt in Ihre Rechnung auf. So kann es gar nicht erst zu Irritationen kommen.

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