Kachexie vorbeugen

Medizinische Fachthemen 07.04.2014

Kümmern Sie sich stets um die Ernährungssituation!

Die Ernährungssituation von Palliativpatienten ist grundsätzlich problematisch. Klinische Zeichen der Mangelernährung weisen bis zu 87 % der Tumorpatienten bereits bei Diagnosestellung auf [Faber 2011]. Sie werden sich fast bei jedem Ihrer Patienten um das Problem der Mangelernährung, auch Kachexie genannt, kümmern müssen. Dabei gilt die Kachexie nach der Sepsis als zweithäufigste Todesursache bei Tumorpatienten. Die Mangelernährung entsteht bei fortbestehendem Ungleichgewicht von verminderter Nährstoffzufuhr und dem Nährstoffbedarf bei gestörter Nährstoffverwertung oder bei unkontrollierbarem Abbau von Körpersubstanz.

 

Die Ursachen der Kachexie

Die Ursachen einer Kachexie sind zumeist multifaktoriell bedingt, zu den wichtigsten Gründen verminderter Nährstoffzufuhr gehört der mangelnde Appetit (Anorexie). Dieser wird oft durch Stress, Schmerz, Entzündung, Tumormetabolismus oder Depression ausgelöst. Hier spielen insbesondere die Essensumstände mit Faktoren wie Einsamkeit, Verlust an Selbstständigkeit oder eine unattraktive Speisenzubereitung eine wesentliche Rolle. Oft kann man auch hören, dass der Patient „nach den vielen Tabletten“ schon keinen Appetit mehr hat – eine Mangelernährung entsteht. Daneben können zudem Schluck- und Kaustörungen, Mundtrockenheit, gastrointestinale Stenosen oder eine Malabsorption die Nahrungsaufnahme behindern. Der Nährstoffbedarf kann durch den Tumormetabolismus, schwere Infektionen oder nach Operationen verändert sein. Dies alles führt letztlich zur krankheitsassoziierten Mangelernährung, wie beschrieben synonym als Kachexie bezeichnet.


Dabei war Anorexie in der Evolution ein Selektionsvorteil: Im Falle von Verletzung oder Erkrankung musste die körperliche Aktivität einschließlich der Nahrungssuche vermindert werden, um Wundheilung durch Schonung zu fördern und alle Kräfte für die Heilung zu sammeln. War der Mensch sterbenskrank, so sorgte der fehlende Hunger für wenig Leiden, Ressourcen des Stammes wurden für „ohnehin verlöschendes Leben“ geschont.

Die Folgen der Kachexie

Aktuelle Studien weisen bei Patienten mit Mangelernährung eine erhöhte Mortalität, eine eingeschränkte Lebensqualität und eine geringere Therapieverträglichkeit nach [Ross 07]. Die Gewichtsstabilisierung besserte die Prognose [Hess 07]. Hier ist aber das Henne-Ei- Problem offensichtlich: Ist die Kachexie Zeichen des kommenden Sterbeprozesses, wie es Cicely Saunders, Gründerin der modernen Palliativmedizin meint, oder Ursache, wie uns die Ernährungslobby erklärt?

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