Lachen ist gesund

Medizinische Fachthemen 07.04.2014

Mit viel Feingefühl: Humor in der Palliativmedizin

Arzt am Sterbebett: „Ihre Frau gefällt mir gar nicht.“ Ehemann: „Mir auch nicht, aber es wird ja nicht mehr lange dauern, oder?“


Ist das ein Witz? Darf man darüber lachen? Darf man über so etwas generell und gerade in der Palliativmedizin Witze machen? Dürfen Sie, dürfen Angehörige oder darf nur der Patient selbst Witze machen? Was passiert in Ihrem Gehirn, wenn Sie Witze erkennen und darauf reagieren? Dies alles sind Teilaspekte des Humors. Weiterhin gehört dazu auch die Fähigkeit, selbst Witze zu erzählen, Komik zu generieren und sich darauf einzulassen – auch in der Palliativmedizin. Humor beinhaltet zudem die Fähigkeit zu wissen, wann Komik in sozialen Situationen erlaubt und oft auch hilfreich ist – und hier braucht es Feingefühl in der Palliativmedizin.


Leider haben viele Menschen im Umgang mit Sterbenden sowie im Rahmen der Palliativmedizin das Gefühl, dass Humor verboten ist, dass dagegen Schweigen, dunkle Räume und allenfalls leise Gespräche „mit pastoraler Stimme“ angemessen sind.

Fallbeispiel:
So betreute ich eine jüngere Mammakarzinom-Patientin, die ihr Leben gern auf lauten Partys und im Flieger nach Mallorca verbracht hatte. Bezeichnend war etwa auch, dass die Mundpflege mit Prosecco erfolgte. Am Lebensende kam ich in eine Situation, in der die Töchter bei ihr am Bett im abgedunkelten Raum saßen und nur flüsterten. Auf meine erstaunte Frage, ob die Mutter jetzt auch noch Migräne hätte, haben alle durch Lachen und Humor aus der beklemmenden Situation gefunden, selbst der Mund der Sterbenden formte sich zu einem Lächeln.
Grundvoraussetzung für Humor, Schmunzeln oder heitere Bemerkungen sind Empathie, Feinfühligkeit, Respekt sowie Verantwortungsbewusstsein. Von Patienten auch in der Palliativmedizin kennen wir immer wieder einmal witzige Bemerkungen, teils sogar fast unpassende. Hier erkennt man den Versuch, inwieweit wir uns auf ein Tabuthema einlassen wollen und können.

Fallbeispiel:
Bei dem Besuch eines jungen Patienten mit Colonkarzinom war eine Aszitespunktion notwendig. Aufgrund erheblicher Angst des Patienten bot ich ihm an, diese unter Ketaminanalgesie durchzuführen. Seine Ehefrau – eine Kollegin – war besorgt um die möglichen Alpträume unter Ketamin. Ich verwies sie auf möglicherweise sogar positive Träume und sagte dem Patienten beim folgenden Einschlafen: „Jetzt an was Schönes denken!“ Er sagte: „F… (umgangssprachlich für „beischlafen“) am Strand“, und nach problemloser Aszitespunktion hatten er und wir eigentlich bei jedem folgenden Hausbesuch immer wieder Anlass zu herzhaftem Lachen.

Lachen ist gesund! – Humor auch in der Palliativmedizin
Menschen, die viel lachen, erleben sich selbst als kompetent und stark, kommen bei anderen Menschen gut an, da sie ohne größere Mühe zwischenmenschliche Brücken schlagen. Sie nehmen sich selbst und das Leben nicht zu ernst. Lachen entlastet von Angst, Wut, Ärger und Anspannung und dient dem Stressabbau. Lachen und Humor helfen, unerträgliche Situationen zu ertragen. Das Lachen wird von einigen Richtungen der Psychotherapie wie z. B. der provokativen Therapie und der Logotherapie ganz bewusst gefördert – und sollte auch in der Palliativmedizin nicht fehlen.

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