Privates Surfen im Internet als Grund für eine fristlose Kündigung

Praxistipps für Arztpraxen und Kliniken 18.09.2017

Fristlose Kündigung wegen privatem Surfen im Internet

Praxisfall: Eine Kollegin von Ihnen ist seit zwei Jahren in einer großen orthopädischen Praxis als Medizinische Fachangestellte eingestellt. Einmal in der Woche ist sie im praxisinternen „Call Center“ eingeteilt. Meistens steht das Telefon nicht still, aber es gibt auch Zeiten (z. B. Mittwochnachmittag), da herrscht Flaute, und kaum ein Patient ruft an. Dann surft das Team schon mal im Internet oder ist bei Facebook. Vorgestern hat der Chef sie dabei erwischt. Er hat ihr sofort fristlos gekündigt. Ihre Kollegin fragt sich jetzt, ob er das wegen so einer Kleinigkeit darf.

Fehlverhalten führt zur Abmahnung

Für Sie als MFA ist grundsätzlich Ihr Arbeitsvertrag maßgeblich. Ist hier nicht ausdrücklich erlaubt, dass Sie das Internet für private Zwecke nutzen dürfen, dann haben Sie sich ein Fehlverhalten zuschulden kommen lassen. War es das erste Mal, dann darf Ihr Chef Ihnen keine außerordentliche Kündigung aussprechen. Das heißt, er muss erst eine Abmahnung aussprechen.

Mein Rat

Bevor Sie jetzt aber Ihrem Chef mit einem Rechtsanwalt drohen, rate ich Ihnen, das Gespräch zu suchen. Entschuldigen Sie sich für Ihr Fehlverhalten. Sollte Ihr Chef nicht darauf eingehen, müssen Sie sich Rechtsbeistand holen und innerhalb von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Eine außerordentliche Kündigung kann nur aus einem wichtigen Grund erfolgen, wie beispielsweise

  • wegen Diebstahls,
  • wegen grundloser und beharrlicher Arbeitsverweigerung oder
  • wenn die Praxis durch eine behördliche Anordnung stillgelegt wird.

Das Verhalten aus dem Praxisbeispiel zählt nicht zu diesen „wichtigen Gründen“. Trotzdem hat die Kollegin gegen die Praxisregeln verstoßen.

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