Widerspruch bei schlechtem Arbeitszeugnis

Praxistipps für Arztpraxen und Kliniken, Praxismanagement 02.07.2018

Widerspruch bei schlechtem Arbeitszeugnis - Wichtiges im Überblick

 

Ihre Frage: „Ich habe zehn Jahre in einer allgemeinmedizinischen Praxis als leitende Kraft gearbeitet. Vor zwei Jahren hat mein alter Chef die Praxis an eine junge Ärztin übergeben. Mit ihr stand ich von Anfang an auf „Kriegsfuß“. Ich glaube, wir konnten uns beide nicht „riechen“. Aber jetzt ist bei mir Schluss. Ich habe es nicht mehr ausgehalten und mir erfolgreich eine neue Stelle gesucht. Zum 31. Dezember 2016 habe ich gekündigt. Wegen noch ausstehenden Urlaubs ist mein letzter Arbeitstag der 15. Dezember. Mein Zeugnis habe ich aber schon jetzt erhalten. Ich bin damit überhaupt nicht zufrieden. Muss ich dies jetzt so einfach hinnehmen oder kann ich mich dagegen wehren?“

Meine Antwort: Sie können sich natürlich gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis wehren. Laut unserer Rechtsprechung muss ein Arbeitszeugnis wohlwollend und berufsfördernd sein. Das zu erkennen ist aber nicht immer leicht. Sind Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis nicht zufrieden, suchen Sie zunächst einmal mit Ihrer neuen Chefin das Gespräch. Eventuell steckt keine böse Absicht dahinter, da nicht jeder Praxisinhaber die „Arbeitszeugnis-Geheimsprache“ perfekt beherrscht. Suchen Sie die Textpassagen heraus, die Sie stören, und schlagen Sie Alternativen vor. Sinnvoll wäre es auch, das Zeugnis von einem Experten
überprüfen zu lassen.


Mein Tipp: Fordern Sie Ihre Chefin schriftlich auf, das Arbeitszeugnis zu ändern, und geben Sie die entsprechenden Passagen an. Dieses Schreiben überreichen Sie dann in Ihrem Gespräch persönlich.


Ihr letzter Ausweg
Sollte es aber nicht zu einer gütlichen Einigung kommen, müssen Sie vor das Arbeitsgericht ziehen. Vor Gericht geben Sie genau an, welche Formulierung Sie für nicht gerechtfertigt halten und welche Formulierungen Sie im Zeugnis stehen haben möchten. Verlangen Sie eine bessere Note als „befriedigend“, werden Sie dies vor Gericht beweisen müssen. Lassen Sie sich in diesem Fall unbedingt von einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht beraten. Diese Prozesse ziehen sich oft in die Länge. Was jetzt in Ihrem Fall kein Problem ist, da Sie schon eine neue Stelle antreten können. Ansonsten sieht es natürlich nicht gut aus, wenn Sie noch kein Zeugnis vorlegen können. Eine außergerichtliche Einigung ist auf jeden Fall immer anzustreben.

 

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